Hunderte von Menschen geraten jährlich vor der deutschen Nord- und Ostseeküste in sehr gefährliche oder gar lebensbedrohliche Situationen. Zur Hilfe kommen ihnen die Seenotretter. Das Thema Sicherheit spielt bei ihren Einsätzen eine zentrale Rolle – daher spendet ihnen die VGH neue Rettungswesten. Unser Vorstandsvorsitzender Hermann Kasten hat sie persönlich in Cuxhaven übergeben und direkt getestet.

Stell‘ dir vor, du fährst mit deinen Freunden ein paar Tage an die Nordsee. Was könnte es wohl Schöneres geben als eine Bootstour? Ihr begebt euch zum Hafen und schippert wenig später bei strahlendem Sonnenschein aufs Meer. Doch bald habt ihr mit mächtigen Strömungen und aufziehenden Winden – mit Stärken von bis zu sechs Beaufort – zu kämpfen. Unglücklicherweise fällt dann auch noch der Motor aus. Ihr setzt einen Notruf an die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ab. Die Seenotretter machen sich sofort auf den Weg. Jede Minute zählt, denn eure Situation wird immer bedrohlicher. Inzwischen macht euch der starke Seegang zu schaffen und mehrere Wellen schlagen ins Boot. Es droht zu sinken – und ihr befindet euch in akuter Lebensgefahr.

Der Alltag der Seenotretter

Seenotrettungskreuzer Anneliese Kramer vor den Toren Cuxhavens.Diese Geschichte ist keine Fiktion, sondern im vergangenen Jahr vor Juist geschehen. Die Seenotretter haben die Besatzung rechtzeitig gefunden und unversehrt an Land gebracht. Für die Schiffbrüchigen hat dieser Törn ein glückliches Ende gefunden, worüber auch die Seenotretter froh sind. Denn ein solch positiver Ausgang ist in ihrem Berufsalltag keine Selbstverständlichkeit. Schließlich fahren sie raus, wenn auf See Gefahr für Leib und Leben anderer Menschen besteht. Sie nehmen Schiffbrüchige an Bord, suchen vermisste Segler, retten entkräftete Surfer und versorgen verletzte Fischer oder erkrankte Seeleute. Auch helfen sie bei der Bergung sinkender Yachten oder beim Löschen brennender Maschinenräume. Die Einsatzgründe sind vielfältig und die Einsatzbedingungen unvorhersehbar. Starke Strömungen, extreme Winde, heftige Unwetter oder hoher Seegang sind an der Tagesordnung.

„Furcht ist ein schlechter Begleiter“

Seenotretter und Vormann Hanno Renner.
Vormann Hanno Renner ist seit 18 Jahren Seenotretter.

Angst um das eigene Leben gibt es bei den Seenotrettern trotzdem nicht. „Furcht ist ein schlechter Begleiter. Ich habe allerdings Respekt vor der Natur und den individuellen Einsatzbedingungen. Daher behalten wir einen kühlen Kopf und gehen an die Sache mit einem gehörigen Maß an Vorsicht“, erklärt Seenotretter Hanno Renner. Er ist Vormann auf dem Seenotrettungskreuzer „Anneliese Kramer“, der in Cuxhaven stationiert ist. Fast 18 Jahre ist Hanno Renner schon dabei. Seine langjährige Erfahrung hilft ihm im Berufsalltag, auch brenzlige Situationen zu meistern. Dazu übt die Crew regelmäßig für den Ernstfall. Häufig sind weitere Rettungskräfte involviert wie Ärzte, die Marineflieger oder der Landrettungsdienst. Schließlich muss mit ihnen die Zusammenarbeit reibungslos ablaufen.

Der Blick aus dem Fahrstand der Seenotretter der DGzRS
Die Besatzung besteht aus mindestens vier Seenotrettern – zwei Nautikern und zwei Maschinisten.

Wertvolle VGH-Spende: Westen geben ein gutes Gefühl

„Wir sind keine Helden, wir sind Profis“, sagen die Seenotretter oft von sich. Damit sie immer heile wieder nach Hause kommen, verfügen sie über die modernste Ausrüstung. Bei allen Einsätzen steht die Sicherheit der Seenotretter an erster Stelle. Die DGzRS ergreift daher bereits beim Bau ihrer Schiffe zu besonderen Maßnahmen. So kann der Seenotrettungskreuzer „durchkentern“, wenn ihn Sturm und hohe Wellen auf die Seite drücken oder er gar kieloben liegt. Das Schiff richtet sich sofort wieder auf und vollzieht die sogenannte Eskimo-Rolle. Hierbei dreht sich das Schiff um 360 Grad. Auch der persönliche Schutz der Seenotretter ist wichtig. So tragen die Besatzungsmitglieder auf See spezielle Rettungswesten. „Die Westen geben ein gutes Gefühl, im schlimmsten Fall doch noch eine Chance zu haben“, sagt Hanno Renner.

Die Seenotretter der Anneliese Kramer mit Hermann Kasten von der VGH Versicherung.
Die Besatzung freut sich über die gespendeten Rettungswesten der VGH. (v.l. Timo Wieck, Kai Schöps, Hanno Renner, Hermann Kasten, Carsten Schleevoigt, Arne Fröse)

Das Engagement der VGH

VGH-Vorstandsvorsitzender Hermann Kasten trägt die gespendete Rettungsweste.
VGH-Vorstandsvorsitzender Hermann Kasten an Bord des Seenotrettungskreuzers

Die VGH unterstützt in Niedersachsen zahlreiche soziale Rettungsorganisationen. Die Themen Schutz, Prävention und Sicherheit sind Schnittpunkte, die die VGH mit den Seenotrettern verbinden. Daher fördert die VGH die besondere Arbeit der DGzRS und spendet in diesem Jahr neue Rettungswesten für die Besatzungsmitglieder der „Anneliese Kramer“. Um ihren Crews stets ein Höchstmaß an Sicherheit zu geben und sie bei jedem Wetter zuverlässig zu schützen, stattet die DGzRS sie zurzeit mit der nächsten Generation von Rettungswesten aus.

Hermann Kasten, VGH-Vorstandsvorsitzender, wird daraufhin von Hans-Joachim Katenkamp, Leiter des DGzRS-Informationszentrums in Niedersachsen, eingeladen. Die Seenotretter möchten die Spende zum Anlass nehmen, ihre Arbeit vorzustellen und dem Vorstand die Möglichkeit zu geben, die Rettungswesten persönlich auszuprobieren. „Wir freuen uns sehr über die neue Sicherheitsausrüstung. Da wir uns ausschließlich durch Spenden finanzieren, sind wir auf die Unterstützung von Unternehmen und der Gesamtbevölkerung angewiesen“, verdeutlicht Katenkamp.

Hans Joachim Katenkamp von der DGzRS im Interview.
Hans-Joachim Katenkamp über die Aufgaben der Seenotretter.

Der VGH-Vorstand kommt dieser Einladung gern nach und macht sich auf den Weg nach Cuxhaven. Nach einer kurzen Führung über den Seenotrettungskreuzer geht es raus auf die Nordsee. Kasten ist gut ausgerüstet, er trägt einen knallroten Überlebensanzug und eine rote Rettungsweste. Auf dieser prangt ein Schild mit dem Schriftzug „VGH Versicherungen“. Nachdem das Schiff auf dem Meer vor Cuxhaven zum Stehen kommt, erhält er die letzten Anweisungen von der Crew. Kasten macht sich bereit, atmet einmal tief durch und gleitet ins Wasser.

Alarmstufe Rot – Mann über Bord

Sofort bläst sich die Rettungsweste automatisch auf. Dieser Mechanismus wird durch eine Salztablette herbeigeführt, die sich bei Wasserkontakt auflöst. Im Ernstfall würde die Weste nun ein Notsignal an den Seenotrettungskreuzer senden und die genaue Position des Schiffbrüchigen übermitteln. Durch den Ruck der Weste wird Kasten auf den Rücken gedreht, die Weste gibt Auftrieb, schützt und stabilisiert den Kopf. Für einige Minuten treibt der Vorstandsvorsitzende auf dem Meer, bevor ihn die Besatzung zurück an Bord holt. Nach einer kleinen Verschnaufpause geht es zurück ans Festland. Dort angekommen zeigt sich Kasten erleichtert, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. „Das Ausprobieren der Westen war für mich ein besonderes Erlebnis. Es war nicht unangenehm, aber ich möchte das nicht bei Windstärke 5 erleben“, erklärt Kasten, der zugibt, dass Wasser nicht sein Element sei.

Hermann Kasten treibt auf der Nordsee mit der Rettungsweste.
Hermann Kasten beweist Mut und testet persönlich die von der VGH gespendeten Rettungswesten.

Der VGH-Vorstand zeigt sich dafür umso mehr von der Arbeit und Organisation an Bord der Rettungseinheit beeindruckt: „Es geht hier sehr professionell, kollegial und partnerschaftlich zu. Ich habe mich von der ersten bis zur letzten Minute sehr wohl gefühlt“. Kasten ist überzeugt, dass die Besatzungsmitglieder durch die neuen Rettungswesten zusätzlichen Schutz erfahren.

Auch Renner hofft weiterhin auf sichere und erfolgreiche Einsätze. Zu seinem außergewöhnlichen Berufsalltag hat er stets eine positive Grundhaltung: „Wir helfen auf dem Wasser, wo wir können – ein bisschen Idealismus und Spaß an der Freude ist bei allen Kollegen dabei.“ Auf die Frage, was das Schönste an seiner Arbeit sei, antwortet er zögerlich: „Wenn wir rausfahren, ist der Anlass ja meistens nicht so schön. Aber ich persönlich freue mich vor allem darüber, wenn alles rund läuft, die Zusammenarbeit Hand in Hand geht und unsere Einsätze natürlich ein glückliches Ende finden“. Die VGH wünscht den Seenotrettern bei Ihrer Arbeit weiterhin viel Erfolg und alles Gute!

Information über die Seenotretter.

Du möchtest mehr über die Arbeit auf Vorstandsebene erfahren? Hier findest du ein spannendes Interview mit unserem Finanzvorstand. 

Rettungswesten-Test im Video


Impressionen vom Tag bei der DGzRS

DGzRS - Rettungskreuzer Anneliese Kramer auf der Elbe.
Besonderes Konstruktionsmerkmal: Wenn ein Seenotrettungskreuzer kieloben schwimmt, richtet er sich sofort wieder von selbst auf.
Blick aus dem Fahrstand der Seenotretter
Seekarte, Wärmebildkamera und Radar – vom Fahrstand aus haben die Seenotretter alles im Blick.
VGH-Vorstandsvorsitzender Hermann Kasten am Steuer des Rettungskreuzers.
Hermann Kasten am Steuer des Tochterboots der „Anneliese Kramer“.
Soziales Engagement: Die von der VGH gespendeten Rettungswesten.
Im Ernstfall soll die Rettungsweste Leben retten.
Das Bordhospital auf dem Seenotrettungskreuzer Anneliese Kramer.
An Bord können medizinische Notfälle optimal versorgt werden.
Die Anneliese Kramer im Hafen vor den Toren Cuxhavens.
Der Seenotrettungskreuzer „Anneliese Kramer“ vor den Toren Cuxhavens – die Besatzung ist rund um die Uhr einsatzbereit.

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