Dennis Wagner – dualer Student im VersicherungswesenDer Jurastudent liest jeden Tag Bücher im Umfang eines Telefonbuchs, Informatiker verlassen niemals ihren Keller und Philosophen werden später Taxifahrer. Mit diesen und vielen anderen Vorurteilen haben Studenten zu kämpfen. Doch kann man diese alle ernst nehmen? Oder sich sogar darüber lustig machen?

Mein Name ist Dennis und als dualer Student im Versicherungswesen werde ich sehr häufig gefragt: „Was machst du eigentlich?“ Ob es nun Freunde, Verwandte oder Bekannte sind, viele wissen nicht, was das duale Studium überhaupt ist. Das ist auch ganz schnell erklärt: „Ich studiere und arbeite abwechselnd für einen Zeitraum von jeweils drei Monaten.“ Doch schlauer ist man danach auch noch nicht wirklich. Also erzähle ich euch mal, was ich so an einem durchschnittlichen Tag in der Vorlesungszeit mache.

Versicherungswesen – das duale Studium

07:20 Uhr: Ich bin auf dem Weg zur Vorlesung. Um acht geht es los mit Wirtschaftsenglisch. Das Modul lautet „Correspondence“, also Schriftverkehr. Wir lernen explizit, wie man auf Englisch eine Bewerbung schreibt (Anschreiben und Lebenslauf) und worauf man dabei besonders achten muss. Im englischsprachigen Raum werden nämlich auf andere Punkte Wert gelegt als in Deutschland. Aber es geht auch um Beschwerdeschreiben, wenn ich z. B. als Kunde unzufrieden bin.

Der Tag beginnt mit Wirtschaftsenglisch und Statistik

08:00 Uhr: Die Vorlesung beginnt pünktlich. Wir sprechen durchgehend englisch und bearbeiten auch heute einige Skriptseiten mit Aufgaben. So erfahren wir erst etwas über den Inhalt sowie spezielle Redewendungen oder Satzkonstruktionen. Diese probieren wir zuerst an kleinen Situationen in einfachen Sätzen aus. Häufig bestehen Übungen aber auch aus einer „listening comprehension“, also einer Hörverstehensübung.

Alltag eines dualen Studenten des Versicherungswesens09:20 Uhr: Kurze Kaffeepause. Wir reißen die Fenster auf, um für neuen Sauerstoff zu sorgen und nach ca. 10 Minuten geht es weiter.

09:50 Uhr: Zum Ende der Vorlesung sollen wir das Gelernte anwenden und auf Basis einer gegebenen Situation unsere eigene Bewerbung formulieren. Diesen Text geben wir am Ende ab und erhalten eine kurze Rückmeldung vom Dozenten, an welchen Stellen noch Verbesserungspotenzial herrscht.

10:20 Uhr: Die erste Vorlesung ist vorbei und nun haben wir 20 Minuten Pause. Unser Kurs gesellt sich in kleine Grüppchen, schließlich sind wir auch nur 30 Leute, bestehend aus Versicherern und Finanzdienstleistern.

10:40 Uhr: Die nächste Vorlesung beginnt. Jetzt ist Statistik an der Reihe. Es geht um deskriptive Statistik, also die graphische Darstellung von Auswertungen. So beschäftigen wir uns mit Häufigkeitsverteilungen, Histogrammen oder Box-Plots. Viele Fachbegriffe, die in kürzester Zeit in Fleisch und Blut übergehen. Zu Beginn einer jeden Vorlesung geben wir unsere Hausaufgaben ab. Diese werden korrigiert und bewertet.

11:45 Uhr: Auch hier gibt es eine kurze Pause. Wir haben einige Aufgaben gerechnet und wichtige Fragen geklärt.

11:55 Uhr: Die Mittagspause naht. Noch eine Stunde. Erneut erledigen wir Aufgaben, diesmal in Gruppenarbeit. Einige Studenten brauchen noch etwas Hilfe in Statistik und diejenigen, die die Grundlagen z.B. noch aus der Schule parat haben, unterstützen sie. Zum Schluss werden die Hausaufgaben für die kommende Woche verteilt und dann ist es auch schon 13:00 Uhr.

13:00 Uhr: Mittagessen. Dafür gehen einige in die nahe gelegene Studentenmensa der Tierärztlichen Hochschule (kurz TiHo). Andere machen sich auf den Weg in die Stadt und holen sich etwas „auf die Faust“ oder beim Bäcker um die Ecke. Doch in der FHDW selbst befindet sich natürlich auch eine Cafeteria, wo es jeden Tag ein warmes Mittagessen gibt.

Praxisübung zur Schadensregulierung am Nachmittag

13:45 Uhr: Zurück im Vorlesungsraum bereitet man sich schnell auf die nächste Vorlesung vor. Versicherungswirtschaft. Der Dozent kommt vom BWV (Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft) und es geht um Schaden- und Leistungsmanagement, also die Regulierung eines Schadens. Da alle „Bachelor“ für ihre Ausbildung die Prüfungssparte der Sachversicherungen vorgegeben haben, ist auch in der Vorlesung die Sachversicherung das Thema, also Hausrat und Wohngebäude.

14:00 Uhr: Die Vorlesung beginnt. Nach einigen Erläuterungen erhalten wir Aufgaben, die wir mit Hilfe des Bedingungswerkes „Proximus“ lösen müssen. Ein solcher Fall kann z.B. so lauten:

„Der Kunde Herr Meyer hat bei Ihnen eine Hausratversicherung abgeschlossen. Sie erhalten folgende Gesprächsnotiz: Küche ist total abgebrannt, Kunde ist nur kurz zum Telefon gegangen. Bittet um Rückruf. Bitte bereiten Sie sich auf Grundlage des Vertragsspiegels auf das Gespräch, insbesondere auf die Entschädigungsfrage vor.“

In diesem Punkt ist es natürlich zu Beginn ein einfacher Fall. Dennoch erfordert die Aufgabe, die eigene Meinung darzulegen sowie eventuelle Gesprächstechniken aufzuzählen, die man selbst anwenden würde, um das Gespräch geordnet und zielgerichtet zu gestalten.

15:30 Uhr: Nach mehreren solcher Aufgaben bekommt man einen guten Überblick, jedoch haben Verträge viele Klauseln. Diese werden genau durchgesprochen, da der genaue Wortlaut nicht immer eindeutig ist.

Sport und Spaß zum Feierabend

16:20 Uhr: Schluss. Die Vorlesungen sind für heute erledigt und es geht nach Hause. Ich fahre mit der Straßenbahn, andere Kommilitonen je nach Entfernung mit dem Fahrrad oder dem Auto.

17:30 Uhr: Auch nach den Vorlesungen ist noch genügend Raum für Freizeit. Da Mittwoch ist, treffe ich mich mit einigen Kollegen im Kaiser Center in Ricklingen und spiele Badminton. Dies machen wir regelmäßig jeden Mittwoch für 90 Minuten.

18:00 Uhr: Das Spiel beginnt. Heute sind wir zwölf Leute, sodass wir auf drei Plätzen jeweils Doppel spielen. Die Truppe ist bunt gemischt und besteht aus Männern und Frauen jeden Alters und beruflichen Status. So spielen Auszubildende mit Führungskräften verbissen um jeden Punkt. Die Stimmung ist gut und ausgelassen.

Nach der Uni ist vor der Uni

21:00 Uhr: Erneut zuhause, wartet nach dem Abendessen der Schreibtisch. Die Vorlesungen des Tages werden nachgearbeitet und die Hausaufgaben gemacht. Natürlich gibt es auch Studenten, die diese Arbeit gerne aufschieben, doch dann ballt sich diese und viele Fragen tauchen erst kurz vor der Prüfungszeit auf. Außerdem halte ich mir so die Wochenenden frei.

22:30 Uhr: Ich lese zum Abschluss eines Tages immer ein wenig. Morgen geht es zum Glück erst um 10:40 in der Uni los und ich kann ein wenig länger schlafen.

Danke, dass ihr mich einen Tag lang begleitet habt. Vielleicht sieht euer Tagesablauf als dualer Student im Versicherungswesen ja bald ähnlich aus!

Mein Name ist Dennis, ich bin 22 Jahre alt und komme aus Hannover. Direkt nach dem Abitur begann ich das Duale Studium bei den VGH Versicherungen zum Bachelor of Arts (B.A.) Fachrichtung Versicherungswirtschaft. Aktuell bin ich Mitarbeiter der Revisionsabteilung.

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